Vortragsabstract

Livestream am 28. Oktober 2026

Die ICD-11, das Klassifikationssystem der WHO, ist seit ihrem Inkrafttreten am 01.01.2022 grundsätzlich einsetzbar. In Deutschland ist die ICD-11 in Deutsch jedoch noch nicht für die gesetzlichen (amtlichen) Anwendungszwecke freigegeben, sondern wird nur als Testversion bereitgestellt. Die Testversion findet sich hier:

Link zur Testversion

Die meisten klinischen Schlafmediziner in Deutschland waren mit der Vorgängerversion, der ICD-10, sehr unzufrieden. Im Vergleich zum Beispiel zur ICSD-3 bot die ICD-10 nur ein geringes Spektrum an schlafmedizinischen Diagnosen, die zudem über verschiedenste diagnostische Gruppen verteilt waren.

Die ICD-11 verfolgt nun einen ganz anderen Ansatz. Für die Schlafstörungen wurde ein eigenes unabhängiges Kapitel geschaffen, Kapitel 07 Schlaf-Wach-Störungen. Als Hauptgruppen werden aufgeführt: Insomnien, Hypersomnien, schlafbezogene Atmungsstörungen, zirkadiane Schlaf-Wach-Störungen, schlafbezogene Bewegungsstörungen und Parasomnien. Somit hat sich die ICD-11 weitgehend der ICSD-3 oder auch dem DSM 5 angenähert. Die ICD-11 erlaubt mehr als 60 ausdifferenzierte und gut beschriebene schlafmedizinische Diagnosen. Die ICD-11 wird somit den aktuellen Stand der Schlafmedizin weitaus besser abbilden und der schlafmedzinischen Realität gerechter werden.

Im Vortrag werden die historischen Hintergründe dieser Entwicklung erläutert und die Hauptkapitel, auch anhand von Videofallbeispielen, erläutert. Ab wann die ICD-11 in Deutschland gesetzlich verbindlich wird, ist noch unklar. Es ist aber damit zu rechnen, dass dies in den nächsten 1 – 2 Jahren der Fall sein wird.



Prof. (i.R.) Dr. Dipl. Psych. Dieter Riemann

Ein Kurzportrait

Prof. (i.R.) Dr. Dipl. Psych. Dieter Riemann, Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie, Universitätsklinik Freiburg

Dieter Riemann war über 30 Jahre ordentlicher Professor für Klinische Psychophysiologie an der Universitätsklinik Freiburg i. Breisgau. Er leitete dort die Abteilung für Klinische Psychologie und Psychophysiologie/ Schafmedizin an der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie. Er ist approbierter Psychologischer Psychotherapeut, Supervisor für Kognitive Verhaltenstherapie und Mitglied im Vorstand des Freiburger Ausbildungsinstituts für Verhaltentherapie. Wissenschaftlich hat er sich in den letzten 35 Jahren vornehmlich mit den Zusammenhängen zwischen Schlaf, Schlaflosigkeit und psychischen Erkrankungen befasst.

Zusammen mit seinen Mitarbeitern hat er mehr als 500 Publikationen in international anerkannten Fachzeitschriften veröffentlicht und zahlreiche Vorträge zur Thematik weltweit gehalten. Dieter Riemann war in den letzten beiden Jahrzehnten an mehreren diagnostischen und therapeutischen Leitlinien zur Insomnie beteiligt, unter anderem am DSM-5 und der Europäischen Insomnie-Leitlinie. Er hat zudem mehrere Therapiemanuale und Ratgeber zur Insomnie veröffentlicht und sowohl in Deutschland als auch Europa die Kognitive Verhaltenstherapie für Insomnie etabliert.

Dieter Riemann ist seit 2015 Gastprofessor an der Universität Oxford und gibt seit 2017 die Zeitschrift Journal of Sleep Research als Editor in Chief heraus. Im Juni 2021 hat im die Universität Pisa den PISA Sleep Award für seine herausragenden Beiträge zum Gebiet der Schlafforschung und Schlafmedizin verleihen. Zeitgleich mit seiner Emeritierung im März 2024 hat Dieter Riemann am 1.4.2024 die Tätigkeit als Vorstandsreferent der DGSM übernommen.